Das Fussballmärchen aus Wimbledon

Foto: Jordan Mansfield/Getty Images
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Was tun, wenn man sich mit den Geschäftspraktiken des eigenen Clubs so gar nicht mehr identifizieren kann oder der Verein einem gleich ganz den Rücken kehrt? So geschehen 2002, als der FC Wimbledon sich dafür entschied, in das über 100 km entfernte Milton Keynes zu ziehen und den Namen „Milton Keynes Dons“ anzunehmen. Was macht man da? Einen eigenen Verein gründen! Und so gründeten die geprellten Fans des FC Wimbledon als Reaktion darauf ihren eigenen AFC Wimbledon.

Was klingt wie eine von Bier geschwängerte Trotzreaktion ist in Wirklichkeit eine moderne Erfolgsgeschichte des englischen Fußballs. Der AFC ist im Besitz des Dons Trust, einer von den Fans errichteten Non-Profit-Organisation, in der jedes Mitglied genau eine Stimme hat. Und von seiner Gründung am 28. Mai 2002 an wussten die Verantwortlichen des Vereins, die Medien geschickt für sich zu nutzen. So wurde beispielsweise das erste Team medienwirksam gecastet und dank der generell hohen Aufmerksamkeit hatte der Club stets überdurchschnittlich hohe Zuschauerzahlen und Sympathisanten, die bereit waren, den verein auch finanziell zu unterstützen.

Foto. Charlie Crowhurst/Getty Images
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Auf diesem Fundament wuchsen sportliche Erfolge. in der ersten Saison in der Seagrave Haulage Premier Division wurde der Zuschauerrekord der Liga gebrochen und der AFC Wimbledon wurde auf Anhieb Dritter. Im Jahr darauf holte das Team ohne eine einzige Niederlage die Meisterschaft und stieg auf. Es sollte nicht der letzte Aufstieg in den folgenden Jahren sein.

Die Kröung der bisherigen Historie des jungen Clubs gab es vor etwa einer Stunde, mit einem Sieg gegen Plymouth welcher den Aufstieg in die League One, die dritthöchste englische Spielklasse, bedeutete. Das ist nicht nur an sich eine wahnsinnige Leistung sondern bedeutet auch, dass man in der nächsten Saison bei einem ganz besonderen Derby auf die Milton Keynes Dons treffen wird.

Es wundert also nicht, dass Star-Autor und AFC-Fan John Green vor einiger Zeit angekündigt hat, dass die bisherige Vereinshistorie verfilmt werden wird. Aber genug davon und jetzt erst Mal viel Spaß beim feiern in Wimbledon!

Übrigens: Keine verdient die Bezeichnung „Tormaschine“ so sehr wie Wimbledons 110-Kilo-Stürmer Adebayo Akinfenwa, der auch heute das entscheidende 2:0 eingenetzt hat.

Foto: Laurence Griffiths/Getty Images
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